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KARFREITAG und OSTERN
von Dietrich von Oppeln
geschr. am 4. 4. 2004
 
Ich weiss nicht, wer die Menschen sind, die auf diese Seiten hier gelangen - und ich weiss nicht, wer Du bist, der dies hier liest. Möglicherweise gehörst Du zu denen, die im christlichen Glauben erzogen worden sind, oder sogar - so wie ich - sich ganz dem Christentum hingaben.
Dann war gerade diese Zeit jetzt, diese Karwoche und Ostern, für Dich vielleicht eine Zeit der tiefen Gefühle und auch eine Zeit der grossen Fragen.
 
Für Kinder ist es unmöglich, Jesus nicht zu lieben ... denn er liebte die Kinder. Er sagte: "Lasst die Kinder zu mir kommen, denn sie haben den Himmel in sich." So liebte ich Jesus zutiefst als ich Kind war. Und so war es mir unmöglich zu begreifen, dass er so schrecklich sterben musste. Und dann hat es sich eingebrannt: Die wirklich guten Menschen müssen schrecklich sterben.
 
Zudem hörte ich, dass Jesus "für mich" gestorben ist, für meine Sünden - und auch das war schrecklich für mich.
Auch später bin ich manchmal regelrecht vor den Kreuzesdarstellungen zusammengebrochen und habe zutiefst geweint, manchmal geschrien: "Aber, Jesus, ich will das nicht! Ich will nicht, dass Du für meine Sünden stirbst, ich will selbst dafür sterben, wenn man dafür sterben muss!"
Viele Jahre lang wollte ich deshalb sterben, bestraft werden.
 
Man mag diese Dinge abtun - gerade in der heutigen Zeit. In der Esoterik, in der New-Age-Bewegung und auch in den Kirchen, ist es letztendlich eine Geschichte, die emotional nicht oder kaum mehr berührt. In der Esoterik ist Christus ein "aufgestiegener Meister", von seinem Kreuzestod wird dort kaum gesprochen, und in den meisten kirchlichen Gottesdiensten am Karfreitag wird vom Opfertod Christi gesprochen - aber niemand begreift so richtig, was dies heisst. Ich habe auch noch nie jemand in solch einem Gottesdienst weinen sehen.
 
Ich hatte einen Hass auf Gott. Warum, Gott, hast Du das getan? Warum hast du von Jesus verlangt, dass er diese Strafen auf sich nimmt? Warum hast du dich verborgen, hast nicht eingegriffen? Schon diese alte Geschichte im Alten Testament war für mich unbegreiflich, als Abraham seinen über alles geliebten Sohn Isaak opfern sollte. Im letzten Augenblick wurde ein Ersatzopfer gefunden - aber dieses Mal nicht. Oder war Jesus gar dieses Ersatzopfer? Das Lamm ...
 
Und - hat es denn etwas geholfen? Fühlen wir uns erlöst, von Gott angenommen und frei von Schuld? So war es doch gemeint, oder?
 
Warum habe ich nichts getan? Vielleicht war ich damals dabei und habe nicht eingegriffen. Kein Jünger wurde mit ihm zusammen gekreuzigt.
So hasste ich auch noch mich selbst.
 
Die Bibel ist eine Mischung von Wahrheit und Erfindung ... ein Zurechtlegen von spirituellen Vorgängen, die kaum begreifbar und beschreibbar sind und für die damalige Zeit noch viel weniger begreifbar waren.
 
Es wahr - und da hat die Bibel recht - dass wir alle unter einer Entfremdung von Gott leiden, oder besser gesagt: Von Gott /Göttin.
Es ist auch wahr, dass diese Entfremdung geschah, als die Menschen ein spirituelles negatives Ego entwickelten. In der Bibel wird das "Rebellion" genannt (die Rebellion von Adams und Eva) , aber es ist eher eine Entscheidung, sich bewusst von Gott zu entfernen, ihn bewusst zu leugnen. Das geschah z.B. in Atlantis, und das hat zum spirituellen und auch physischen Untergang von Atlantis beigetragen. In Lemuria, dem Paradies, waren Gott und Mensch eins. Atlantis dagegen war der "Baum der Erkenntnis" - in Atlantis konnte man wählen zwischen Co-Creation mit Gott und damit auch die Ehre für Macht und Ansehen Gott zu geben oder der Eigen-Creation, in der man Gottes Mitwirken leugnet und sich selbst alle Ehre gibt. Ersteres ist Garant für bleibende Integrität - im zweiten Fall ist die Erhaltung von Integrität im eigenen Tun eine echte Herausforderung. Die Atlantiner sind daran gescheitert. Die Folge war eine tiefe Entfremdung von Gott, eine schreckliche Leere, gespeist von heillosen Gedanken, die schliesslich zu einer Entscheidung wurden: Ich kann nie mehr von Gott angenommen werden. Diese tiefe Entscheidung hat das gesamte Menschheitsbewusstsein erfasst und wirkt noch heute.
 
Die Wahrheit ist, dass Gott sich nie vom Menschen trennte - aber der Mensch von Gott. Das war die Botschaft von Joshuah, von Jesus. Er hob die Botschaft vom strafenden und schwer erreichbaren Gott auf und brachte den Gott der Vergebung und Güte. Er brachte einen Gott, der Vater genannt werde wollte. Und wenn Jesus damit eine Chance gehabt hätte, hätte er damals sicher von Vater/Mutter Gott gesprochen.
 
Und nun kam das Unbegreifliche! Nun verlangte dieser vergebende und gütige Gott ein Opfer, damit wir "durch Jesu Blut reingewaschen werden".
Warum?
 
Er verlangte es nicht. Jesus verlangte es von sich selbst, gab sich schliesslich dieser tiefen Entscheidung hin. Er wägte in jener Nacht in Gethsemane vieles gegeneinander ab, víeles, von dem nicht berichtet worden ist. Sicher war einer seiner tiefsten Gedanken: Wie kann ich in dieser Situation meine Mission, meinen Purpose auf die integerste, wahrhaftigste und eindrücklichste Weise zum Ausdruck bringen und erhalten.
Er kämpfte den Kampf des Menschen: Zu kneifen oder sich zu stellen.
 
Gerade noch hatten sie ihm in Jerusalem Blumen gestreut, hatten die Palmwedel zu seinem Empfang geschwungen ... Heil Dir, du König ... und er hat es zugelassen ... wohl wissend um die Gefahr - und den ungeheuren Neid, den das hervorruft - unter denen, die nie Könige sein wollten. Die Gefahr, dass dieses Jauchzen seiner Fans umschlagen kann zu blankem Hass, wenn sie denn merken sollten, dass ihr König sie nicht von den Römern, sondern von ihren eigenen inneren Besatzungsmächten befreien wollte, dass er ein König der inneren und nicht der äusseren Welt war und sein wollte. Er wollte für alle dasein, auch für die Römer ... er wollte allen die gute Botschaft bringen, dass die Entfremdung von Gott nicht die Entscheidung Gottes war.
 
Und wer hasste Jesus noch viel mehr? Natürlich diejenigen, die sich als Ersatz für die vermeintlich fehlende Gottesliebe anboten und davon gut lebten - bis heute.
Damals waren es die Priester, Rabiner, die "Schriftgelehrten", die Jesus' Ansinnen, jedem Menschen seine persönliche Beziehung zu Gott zurückzugeben, zutiefst hassten. Denn das hätte sie arbeitslos gemacht. Und noch schlimmer: Vielleicht hätte sich das Volk sogar mit den Römern vertragen und ihre Stellung als die Beautragten, die Menschen von Israel unter ihrem Joch zu halten und dies biblisch zu begründen, wäre in sich zusammengefallen.
 
Damit rang Jesus in Gethsemane. Sie hassen mich... die einen hassen mich aus ihrem heissen Herzen heraus ... denn sie lieben mich eigentlich ... aber sie sind so verführt ... und diese anderen hassen mich kalt und ohne Herz, denn sie verstehen, weshalb ich gekommen bin: Um die Menschen von IHNEN zu befreien, von ihnen, die die Gottesferne am Platz halten, weil sie daran verdienen.
 
Jesus hätte sich verbergen können, zurückgehen nach Galiläa oder gar nach Ägypten fliehen. All das wäre möglich gewesen. Aber er wusste und spürte: Der Hass, der eigentlich inbrünstige Liebe war, wäre dann in Gleichgültigkeit umgeschlagen: "Wieder einer, der flieht, seine Haut rettet ... wieder einer, dessen Worte nichts gelten, wenn er denn auf den Prüfstand gestellt wird ...". Und so blieb er in Jerusalem ... einer Stadt, die heute noch die Schwingung jener fundamentalen Entscheidung hat, weil es die Stadt der Transformation ist und immer war.
 
Jesus blieb. Er liess sich fangen. Dies war seine Integrität. Er wusste nicht, wie es ausging. Er stellte sich auf den Prüfstand - und damit alle, die um ihn und mit ihm waren. Dort stand er, gerichtet von Pontius Pilatus, der ihn lieber freigelassen hätte ... immer hoffend, dass das Blatt sich wenden möge, dass sie begreifen, was sie wählen. Pilatus liess sie wählen. Jesus hätte begnadigt werden können. Das Volk wählte einen Mörder.
 
Einen so grausigen Film zu machen über den Tod Christi - warum?
 
Nicht nur sein Leben, auch sein Tod war ein Sieg ... viele Menschen, die seinen Gang nach Golgatha miterlebten - auch einige Römer - waren zutiefst ergriffen. Es war kein würdeloser Tod, sondern ganz sicher ein Sterben der Hingabe an einen Höheren Sinn, der sich ja später, am Ostertag, offenbarte.
 
Ich denke, dass Jesus nicht will, dass sein Tod so ernst genommen wird. Schon in Gethsemane hat er - am Ende - mit dem Physischen abgeschlossen. Es war eine Entscheidung - und die Entscheidung war gut. Einer der schönsten Augenblicke war - und es zeigt die Liebe, die auf dem Platz Golgatha war - als er zu dem Mitverurteilten sagte: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein".
 
Sicher war es sehr schmerzhaft und sicher hat er körperlich sehr gelitten - aber sicher war in ihm auch das Gefühl, das wir alle haben, wenn wir etwas tun, von dem wir wissen, dass es richtig ist: das Gefühl der Heimkehr! Diese Gefühl war mit den Geschwistern Scholl, mit Dietrich Bonhoeffer, mit Paul Schneider.
 
Er kehrte heim an Ostern - und so werden wir heimkehren.
 
Er war der Kartenmacher.
 
Seine Mission ist erfüllt. Nun ist es an uns, die Karte zu verstehen, sie richtig zu begehen, neue Karten zu machen.
 
Er öffnete den Raum für die Auferstehung: Die Befreiung vom Joch des Gottesersatzes in vielerlei Gestalt - hin zur wahren, tiefen, liebevollen, direkten und zutiefst persönlichen, einzigartigen Beziehung zu Gott / Göttin ohne Mittelsmänner und -frauen, ohne Krückstock und Eintrittskarte, ohne Vertrag und Mitgliedschaft, ohne Rituale, Gesetze und starre Grundsätze - und ohne eine Lehre, die man zu befolgen hat.
 
Dies ist die gute Botschaft in diesem Jahr 2004 - dem Jahr der Einheit - the Year of Union.
 
 

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