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| ÜBER GOTT | ||||
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Für mich war es nie eine Frage, dass es Gott gibt. Ich wusste das, bevor ich eine Kirche betrat. Aber natürlich habe ich in der Kirche die Geschichten von Gott gehört, Gott, dem Vater von Jesus Christus. Ich habe lange geglaubt, dass sie in der Kirche von dem Gott sprechen, den ich kannte, der mich so oft berührt hat, mit dem ich so innig verbunden war. Schon als ganz keines Kind empfand ich, dass nicht viele Menschen, insbesondere nicht die Erwachsenen, von Gott wissen. Ich hörte sie von Gott reden, aber ich sah nicht, dass sie von Gott berührt waren. Und so dachte ich schon als kleiner Junge: ich will ihnen von Gott erzählen, wie er wirklich ist. Ich wusste von einem sehr liebevollen und heiteren Gott, der sehr fröhlich ist, sehr persönlich, unendlich gütig. Den fühlte ich, der begegnete mir. Wenn ich mir die Erwachsenen betrachtete, sah ich, dass sie nichts von diesem Gott wussten - ausser meine Grossmutter, über die ich noch an anderer Stelle sprechen werde. Auch die Betreuer im Kindergottesdienst sprachen von einem anderen Gott. Dieser Gott war eher streng und unzugänglich. Es war ein Gott, der wollte, dass man litt - es war ein schwerer, mitunter zorniger Gott. Ein Gott, dem man es nicht leicht recht machen konnte. Ein Gott, der die Geschicke vorgab und die Schicksalschläge brachte, ein Gott, der mysteriös war in seinen Wegen und ungerecht. In grosse Depressionen fiel ich während meines Theologiestudiums am Tübinger Stift. Dieses gilt ja als die Hochburg der ev. Theologie, so viele Pfarrer und theologisch Gelehrte kommen und kamen aus Tübingen. Ich kann mich noch genau an den Schock erinnern , als ich herausfand, dass niemand von meinen Studienkollegen und kein Professor wirklich an Gott glaubte. Sie sprachen von Gott, sie dozierten über ihn, sie vereinnahmten ihn geradezu in ihren Dogmatiken und Exegesen, aber ich sah Gott nicht in ihren Herzen. Sie fühlten Gott nicht ... er war nicht sinnlich, nicht WIRKLICH da für sie. Gott war ein Konzept, eine Philosophie, eine mentale Übung ... aber kein Freund, kein lebendiges Wesen. Ich wollte gerne predigen, ich wollte gerne erzählen - aber nicht von diesem ihrem Gott. Aber da man ausgebildet wurde, von diesem ihrem Gott zu sprechen, habe ich das Theologiestudium aufgegeben. In dieser Zeit fand ich auch nicht mehr zu meinem Gott der Kindheit. Er schien mich verlassen zu haben - ich war so einsam in meinem Schmerz, den ich mit niemandem teilen konnte, da ja niemand meine Sehnsucht verstand. Und meine Grossmutter, die einzige, die mich etwas verstanden hatte, war schon tot zu dieser Zeit. Mit 12 jahren hatte ich ein so umwerfendes Gotteserlebnis, und ich dachte, das hätten alle Menschen irgendwann. Aber ich fand heraus, dass ich der einzige war. Dass niemand verstand, von was ich sprach. Da wurde ich sehr zornig auf Gott. Ich kann mich noch genau an diesen nebligen Herbsttag erinnern, als ich am Neckar spazieren ging und meine Fäuste gegen den Himmel schüttelte und ihn verfluchte, ihn, der sich zurückgezogen hatte und mich so elendlich allein liess in einer Welt ohne Gott. Hier schreibe ich bald weiter .... |
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